Eugenik und Darwin | Ein kurzer Überblick über Eugenik von Darwin bis heute.

Februar 6th, 2010

Der Begriff Eugenik wurde von Francis Galton eingeführt. Übersetzt aus dem alt-griechischen bedeutet er „gutes Geschlecht“ und umschreibt das Ziel, durch eine Auswahl der am besten bewerteten Eigenschaften eine höhere Menschenrasse zu züchten. Eugenik wird auch synonym mit Rassenhygiene verwendet.

Charles Darwin regte in seinem Buch Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl unter Anderem zu einer Eugenik-Diskussion an:

Unter den Wilden werden die an Körper und Geist Schwachen bald eliminiert; die Überlebenden sind gewöhnlich von kräftigster Gesundheit. Wir zivilisierten Menschen dagegen tun alles mögliche, um diese Ausscheidung zu verhindern. Wir erbauen Heime für Idioten, Krüppel und Kranke. Wir erlassen Armengesetze, und unsere Ärzte bieten alle Geschicklichkeit auf, um das Leben der Kranken so lange als möglich zu erhalten. [...] Infolgedessen können auch die schwachen Individuen der zivilisierten Völker ihre Art fortpflanzen.

Auch der Begriff des Sozialdarwinismus, der den Überlebenskampf der Natur auf das gesellschafts-politische Umfeld überträgt und menschliche Gesellschaften als Folge von natürlicher Auslese sieht und damit im starken Zusammenhang mit der Eugenik steht, geht auf Darwins Evolutionstheorie zurück.
Von Darwins Theorien inspiriert und von ihm gefördert, veröffentlichte Darwins Cousin Fancis Galton im Jahr 1869 das Buch Hereditary Genius. Das Werk beschäftigt sich mit Vererbung von Intelligenz, die Galton mit Hilfe von empirischen Methoden analysierte. Ausgehend von dieser Analyse entwickelte er später den Begriff Eugenik.
Darwin selbst distanzierte sich zwar öffentlich von einer Übertragung der natürlichen Auslese auf politisch-gesellschaftliche Verhältnisse. Dennoch äußerte er sich in Briefen begeistert über Galtons Arbeit:

I have only read about 50 pages of your book (to the Judges), but I must exhale myself, else something will go wrong in my inside. I do not think I ever in all my life read anything more interesting and original–and how well and clearly you put every point!

Kurz nach dem Erscheinen Galtons theoretischer Arbeit, propagierten andere Eugeniker die Umsetzung der Eugenik. In Deutschland waren dies vor Allem Alfred Ploetz und Wilhelm Schallmayer. Mit seiner Schrift über Die Tüchtigkeit unserer Rasse und der Schutz der Schwachen war Ploetz einer der Vordenker der nationalsozialistischen Rassenlehre. Er beschreibt hier eine Gesellschaft, in der moralische und intellektuelle Fähigkeiten zukünftiger, möglicher Eltern geprüft werden und Auswirkungen auf die Anzahl der Kinder haben sollte.

„Die Erzeugung guter Kinder […] wird nicht irgend einem Zufall […] überlassen, sondern geregelt nach Grundsätzen, die die Wissenschaft […] aufgestellt hat […]. Stellt es sich trotzdem heraus, daß das Neugeborene ein schwächliches oder missgestaltetes Kind ist, so wird ihm von dem Ärzte-Collegium […] ein sanfter Tod bereitet […].“

Neben dem Einfluss Darwins stand die Eugenik unter dem Einfluss diverser Vordenker aus dem 19. Jahrhundert, wie Arthur de Gobineau, mit seiner Rassentheorie, Benedict Augustin Morel, mit seiner Degenerationstheorie und Friedrich Nietzsche, mit seiner „Herrenmoral“. Aber auch in antiken Schriften, wie Platons Politaea und Aristoteles Politik, findet man (ansatzweise) die Idee von Menschenzucht.
So fand die Eugenik einen weltweiten Höhepunkt in der Theorie zum Ende des 19. Jahrhunderts und in ihrer Umsetzung mit der Ermordung von sechs-Millionen Juden, Roma und anderer aus nationalsozialistischer Sicht minderwertiger Menschen von 1933 bis 1945 in Deutschland.
Zwischen 1890 und 1980 fanden aber auch eugenische Maßnahmen in anderen Industrienationen statt. So z.B. in den USA mit einem Heiratsverbot und Zwangssterilisierung für (scheinbar) geistig oder körperlich Behinderte und Epileptiker. Aber auch in der Schweiz und in allen skandinavischen Ländern fanden sich entsprechende Gesetzestexte. Hier dauerten die Eugenikprogramme bis in die 1970er Jahre hinein an.
Racial Hygiene Poster
Sogar in Deutschland nach 1945 wurde Zwangs-Sterilisation weiter praktiziert. Den Abriss der Zwangssterilisierung in Deutschland von 1945 bis heute, soll beispielhaft die Veränderung der Eugenikdisksussion darstellen.
Ähnlich wie in Schweden und der Schweiz wurden auch nach 1945 so genannte geistig behinderte Mädchen und Frauen sterilisiert. Nur in Deutschland gab es spätestens ab 1973 keine gesetzliche Regelung mehr und somit war die Zwangs-Sterilisation illegal. Ab 1992 gab es zwar wieder eine gesetzliche Regelung, die Sterilisation bei einwilligungsfähigen Frauen nur auf freiwilliger Basis erlaubte. Ärztlich festgestellte einwilligungsunfähige Frauen und Mädchen wurden jedoch dennoch zwangs-sterilisiert.
Seit 2003 ist diese Praxis aus finanziellen Gründen Eingeschränkt: die Krankenkassen zahlen eine Sterilisation nur noch, wenn sie aus medizinischer Sicht notwendig ist.
Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte erhält den Satz:
„Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen.“
Woraus sich eine Ablehnung von Eugenik in jeder Form ableiten lässt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Idee einer perfekten Menschenrasse war schon in der Antike eine im philosophischem Rahmen diskutierte Idee. Durch das aufblühen der Naturwissenschaften und Darwins Evolutionstheorie als Katalysator, fand die Eugenik jedoch im 19. Jahrhundert besonders viele Anhänger.
So wurde sie im 20. Jahrhundert systematisiert und wird bis heute, wenn auch aufgrund von Individualentscheidungen und meist mit Einverständnis betreffenden Personen, praktiziert.

Quellen:
1: zitiert nach Gunter Mann: Neue Wissenschaft im Rezeptionsbereich des Darwinismus: Eugenik – Rassenhygiene, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte, Athenaion 1978, S. 104.
2: Eugenik: von altgriechisch eu „gut“ und genos „geschlcht“.
3: Charles Darwin: Letter from Darwin to Galton, aus: Letters of Charles Darwin, url:galton.org/letters/darwin/correspondence.htm, 25.1.10.
4: Alfred Ploetz: Die Tüchtigkeit unsrer Rasse und der Schutz der Schwachen, S. 141, zitiert nach Massimo Ferari Zumbini: Die Wurzeln des Bösen. Gründerjahre des Antisemitismus: Von der Bismarckzeit zu Hitler, Frankfurt a. M. 2003, S.406.
5: Brigitte Faber: Eugenik, Sterilisation, fremdnützige Forschung, aus:Bundesministerium für Famile, Senioren, Frauen und Jugend: Einmischen Mitmischen, url: http://www.einmischen-mitmischen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=140&Itemid=55, 25.1.10.
6: Generallversammlung der Vereinten Nationen: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Paris 1948, Artikel 16, Absatz 1.

______________________________
Jonathan Uhmann, Alfter, den 31.1.10.

Die echte Fleischstory

Februar 1st, 2010

Der Clip zeigt im Matrix-Style wo unser Fleisch tatsächlich herkommt und was das für Konsequenzen haben kann.

Zynismustürchen [12]

Dezember 12th, 2009

Heute mit einem Weihnachtsgedicht von Erich Kästner:
(Vielen Dank an Bodo Bühling, der das Gedicht einmal mit uns eingeübt hat!)

Erich Kästner – Morgen Kinder wird´s nichts geben

Morgen Kinder, wirds nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte Euch das Leben.
Das genügt wenn man´s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist´s noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Strassen!
Dort gibt´s Weihnachtsfest genug.
Christentum vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schuetteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch!

Tannengruen mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reisst die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt´s an Holz!
Stille Nacht und heil´ge Nacht -
weint, wenn´s geht, nicht! Sondern lacht!

Zynismustürchen [11|

Dezember 11th, 2009

Heute: der Zynismus des wahren Lebens. Das WDR-Magazin Monitor zeigt diesen Woche für Woche und übertrifft sich gelegentlich selbst. Nicht lustig, aber die Augen öffnend.
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3413226

Zynismustürchen [9]

Dezember 10th, 2009

The next big thing: flutter.

Zynismustürchen [8]

Dezember 9th, 2009

Volker Pispers über den SPD-Parteitag

Das Zynismustürchen: jeden Tag eine neue Priese Lachen-im-Hals-stecken-bleiben.

Zynismustürchen [7]

Dezember 7th, 2009

Hagen Rether beim Deutschen Kleinkunstpreis 2008.

Ab heute: jede Nacht um 00:01 ein neues Zynismustürchen.
Frohen 2. Advent!

Hagen Reter über: die „zunehmende Islamisierung“

Dezember 6th, 2009


Der gute Hagen hat diesen Monolog Anfang letzten Jahres gehalten. Und er ist immer noch hoch aktuell. Leider.

Da bleibt nicht nur mir das Lachen im Halse stecken, denke ich …

Haus zum Leben erweckt

Dezember 3rd, 2009

Schönes Video. Von den großartigen Künstlern Blue und David Ellis.

COMBO a collaborative animation by Blu and David Ellis (2 times loop) from blu on Vimeo

Über den Weitblick von Gelb-Schwarz

Oktober 24th, 2009

Eine Verkürzung der Wehrpflicht war das Schlechteste was uns passieren konnte. Nicht dass ich es den Studenten nicht gönne, die jetzt nur noch ein Semester ihr Studium aussetzen müssen.
Aber was ist mit dem Zivildienst? Es gibt in Deutschland knapp 40.000 Zivildienststellen, knapp die Hälfte davon in Krankenpflege oder -transport-Organisationen. Diese Organisationen haben die Stellen bitter nötig: Wenn man den Urlaubsanspruch und die Dauer der Ausbildung zum Sanitäter mit abzieht, arbeiten die Zivildienstleistenden heute 6,5 Monate effektiv. Bei einem verkürztem Zivildienst werden sie nur nur knappe vier Monate arbeiten, eineinhalb Monate ausgebildet werden und zwei Wochen Urlaub haben. So gehen Caritas, Malthäser, Johaniter und Diakonie zusammen etwa 12.800.000(2 Monate á 4 Wochen á 5 Tage á 8 std mal 20.000 Zivis) an Arbeitsstunden verloren, die sie jetzt irgendwie wieder rein holen müssen. Wir können uns also auf eine freudige Zeit einstellen, in der wir uns noch besser überlegen müssen, ob wir es einem Menschen antun wollen in ein Altenheim zu gehen. Oder, ob wir uns von unterbezahlten Krankenschwestern versorgen lassen wollen.
Liebe CDU, Liebe CSU, Liebe FDP,
bitte führt den Zivildienst für alle ein! Zivildienst macht Sinn. Sowohl volkswirtschaftlich gesehen, als auch für jeden persönlich. Denn Zivildienstleistende sind wichtig für unsere Krankenhäuser, Kindergärten und Altenheime. Ihr dürft diesen beschissenen Wehrdienst von mir aus komplett abschaffen. Dafür sollte es eine Zivildienstpflicht geben für jeden Mann und jede Frau. Nur so können wir unserem erkranktem Gesundheitswesen wieder einigermaßen aufhelfen.